
Referat durch den Leiter der Suchtberatungsstelle Matthias Haug vom 12. März 2009

Matthias Haug, Leiter der Suchtberatungsstelle des Landkreises Karlsruhe, referierte am Donnerstag, den 12. März 2009, in der Silcherschule Östringen zum Thema „Unser Kind wird erwachsen – Schwierigkeiten in der Pubertät am Beispiel Suchtmittel“.
„Es sind Eltern wie du und ich, deren Kinder suchtkrank werden“, meinte Haug. Die Weichen dafür werden zu einem ganz entscheidenden Teil in der Pubertät gestellt. Die Persönlichkeit ist in dieser Zeit enorm formbar. Eingeübte Verhaltensweisen bilden ein Muster für den Rest des Lebens, das nur schwer veränderbar ist. Umso wichtiger ist es, dass Eltern in dieser Phase klar Stellung beziehen: Kein Pardon für Alkohol und Suchtmittel!
Im Jahr 2002 gab es in der Kinderklinik Karlsruhe 26 Einlieferungen wegen Alkoholmissbrauch, im Jahr 2008 waren es 106. Das so genannte Binge Drinking, auch Komasaufen, enthemmt die Jugendlichen. Nach dem Motto ´Bist du nüchtern, bist du schüchtern´ flüchten sie in eine Schweinwelt, in der sie für ihr Verhalten keine Verantwortung übernehmen müssen. Im Gegenteil: Wer umfällt, ist cool! Auch der Konsum von Cannabis wird unterschätzt. Ein bisschen Kiffen kann nichts schaden. Aber das Risiko, an einer Psychose wie Schizophrenie zu erkranken, ist um das Sechsfache erhöht. Der Führerschein wird öfter wegen Drogen entzogen als wegen Alkohol.
Die Fähigkeit junger Menschen, Gefahren richtig einzuschätzen, wird von den Erwachsenen total überschätzt. Die moderne Gehirnforschung belegt, dass die entsprechenden Regionen im Gehirn noch nicht voll ausgebildet sind. Das heißt, die Übernahme von Verantwortung kann laut Haug nur altersentsprechend sein und nicht wie bei einem Erwachsenen: „Wenn Sie sagen, entscheide selber, was du willst, tun Sie Ihrem Kind keinen Gefallen.“ Eltern machen sich mit ihren Vorgaben nicht zum Freund ihrer Kinder, aber das sind sie auch nicht. Pubertierende brauchen Eltern, die ihnen den Rahmen abstecken, an dem sie sich reiben können. Viele Eltern sind heute hilflos, weil sich die Heranwachsenden nichts mehr sagen lassen. Deshalb ist es um so wichtiger, rechtzeitig dafür zu sorgen, dass der Sohn oder die Tochter auf die Eltern hören. Mit zwölf Jahren sind sie noch stark beeinflussbar. In diesem Alter dürfen Eltern nicht ihre Erziehungsfähigkeit verlieren, indem sie als Kumpel oder Freund auftreten. Sie sind als Respektsperson gefragt, die versteht und zuhört, aber die Regeln vorgibt. Pubertieren heißt dagegen sein, Widerstand und Provokation sind normal. Dabei wird argumentiert, dass nur die eigenen Eltern diese Grenzen setzen, alle anderen Gleichaltrigen dürften viel mehr. Die familiäre Normierung ist aber kein Diskussionsgegenstand, bei dem es um richtig oder falsch geht. „So machen wir das“, und die Betonung legt der Referent dabei auf ´wir´.
Matthias Haug ermutigte mit seiner Darstellung die Zuhörer, als Erziehende klar Position zu beziehen und sich nicht von der weit verbreiteten gesellschaftlichen Verunsicherung anstecken zu lassen.
Andrea Kritzer, Rektorin

